– Interview mit ‘Chto Delat?’: “Die Wahrheit der Wirklichkeit”

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Die Wahrheit der Wirklichkeit

Interview mit Dmitry Vilensky (‚Chto delat?’/ ‘Was tun?’)

englische Version

Gegründet 2003 in Petersburg bietet die Plattform Chto delat? einen Raum in dem sich Theorie, Kunst und politischer Aktivismus verbinden lassen. Diese Plattform wird von einer gleichnamigen Arbeitsgruppe koordiniert, zu deren Mitgliedern Künstler, Kritiker, Philosophen und Schriftsteller aus Moskau und Petersburg zählen.

Das Interview entstand in Reaktion auf den Text „Organising Realism“ .

Realism Working Group: In Euren Texten bildet der Begriff Realismus einen kontinuierlichen Bezugsrahmen. Inwieweit bezieht ihr euch auf historische Debatten des Realismus?

Dmitry Vilensky: Im philosophischen und im theoretischen Feld begegnen wir durch die Geschichte hindurch endlosen Spekulationen über den Begriff des Realismus. Wir könnten uns sehr leicht auf so etwas wie einen kritischen, kapitalistischen, sozialistischen, magischen, moralischen, brutalen, neuen und was auch immer Realismus beziehen. Aber warum ist es für einige Künstler wieder wichtig ihre Arbeit in den Kontext dieser alten und ziemlich verwirrenden Tradition zu stellen? Ich will von meiner Position aus sprechen, als Künstler, der sich mehr als oft von theoretischen Debatten inspirieren lässt, aber zugleich über kein elaboriertes theoretisches Wissen verfügt. Und ich will nicht zu tief in all diese historischen Debatten des Realismus gehen, aber dennoch denke ich, dass es wichtig ist einen allgemeinen Überblick zu haben, wie durch die Geschichte des Denkens und der Kunst-Praxis hindurch dieser Begriff verstanden wurde. So ist es hilfreich sich an den Beginn zu erinnern: an Figuren wie Aristoteles und Plato und an die Theorie der Mimesis und natürlich an die Wende vom Idealismus Hegels zur materialistischen Theorie. Und nicht zu vergessen Lenins ‚Theorie der Reflektion: „Das menschliche Bewusstsein reflektiert nicht nur die Wirklichkeit, sondern erschafft sie auch.“ Im Zuge Lenins Konzept kam dann die so genannte Brecht-Lukacs-Debatte…

Während der Vorbereitung für dieses Interview stieß ich auf ein sehr interessantes Zitat von Zizek: „…Allgemeiner ist die Trennungslinie die zwischen den Idealisten der sokratisch-gnostischen Tradition mit deren Behauptung, die Wahrheit liege in uns und ließe sich durch eine Reise ins Innere entdecken, und der jüdisch-christlich materialistischen’ Vorstellung, dass Wahrheit nur da zum Vorschein kommen kann, wo ein externer traumatischer Zusammenstoß die subjektive Balance zerstört. „Wahrheit“ verlangt uns die Anstrengung ab unsere „spontane“ Tendenz zu bekämpfen.“

Ich dachte, dass dieses Zitat uns helfen könnte die Verbindung zwischen einer materialistischen Herangehensweise an den Realismus, durch die Analyse der Möglichkeit des Menschen die „Wahrheit“ der Wirklichkeit zu enthüllen, zu verstehen. Das ist sehr komplex, aber ich denke, dass es mehr als zuvor nötig ist ein Wahrheitsproduktion anzustreben, und für mich, würde ich sagen, wäre das eine realistisch-materialistische Herangehensweise an Realität.

RWG: Was würdest Du heute als realistische Praktik bezeichnen?

DV: Ich würde sagen, dass es jetzt, mit dem Auftauchen neuer dokumentarischer Mittel des Ausdrucks eine Menge formell ‚realistischer’ und figurativer Praktiken gibt, welche auf Mimesis basieren, die uns aber keinen Aufschluss darüber geben worum es beim Realismus geht.

Für mich ist Realismus in der Kunst nicht genug – es muss eine Komponente sein – eine Methode des Arbeitens mit Wirklichkeit, der neuen Komposition des Kunst-Machens. Vor kurzem haben Zanny Begg und ich versucht die Prinzipien der „Komposition der Avantgarde in der zeitgenössischen Kunst’ zu formulieren (siehe http://www.chtodelat.org/index.php?option=com_content&task=view&id=369&Itemid=179), wo wir folgende Taxonomie aufstellen:

a) Realismus als ästhetische Methode

b) Treue gegenüber den revolutionären Impulsen der Avantgarde

c) Autonomie durch politische Selbstorganisation

und dann spürten wir verschiedene gerade aktuelle Formen des Kunstmachens auf und forderten, dass eine neue realistische Herangehensweise diskutiert werden sollte in einer Praxis: der militanten Untersuchung; des Mapping; des Storytelling; der Montage; der subversiven Affirmation; des Karnevalesken; des Re-enactment und der Fiktion; der Dokumentation und einigen anderem. In unserem Artikel sagen wir genauer, um was es sich hierbei handelt, und ich will das hier nicht wiederholen, aber ich sollte betonen, dass einer der Gründe, warum wir an diesen Methoden interessiert sind, ist, dass sie es uns in einer neuen geschichtlichen Situation erlauben, Kunst als „die wahre historisch konkrete Repräsentation von Realität in ihrer revolutionären Entwicklung“ zu sehen. Und ich glaube weiterhin, dass dies der beste Begriff ist von dem, von was Kunst handelt und handeln muss – wie immer man es auch nennen will – eine avantgardistische Position (ich würde das bevorzugen) oder eine realistische, die organisch in die Avantgarde integriert werden kann, so wie es einst Malewitsch machte und später auch einige andere Künstler.

RWG: Ist Realismus nicht eine Methode die Realität eher konstruiert als sie zu repräsentieren?

DV: Es ist beides – Repräsentieren und Konstruieren in einer nicht-dialektischen Einheit, denn diese beiden verschiedenen Prinzipien werden zu oft als Oppositionen behandelt. Aber ich denke, dass sie das nicht sind. Wie konstruiert man überhaupt irgendetwas? Man hat diese Fähigkeit, weil man ein bestimmtes Wissen über die Welt hat. Man hat eine Vorstellung davon, wie sich Dinge entwickeln; aber diese Vorstellung sollte in der Praxis überprüft werden oder besser gesagt, sie sollte auf bestimmten materialistischen Praktiken beruhen. Dann sollte man weitergehen und einen Weg finden, „Realität in ihrer revolutionären Entwicklung“ zu repräsentieren , die Welt im Werden zu repräsentieren , etwas anders zu repräsentieren, als wir es kennen – und da gibt es eine Konstruktion, aber diese basiert auf der Wahrheitsproduktion.

RWG: In der Mitte des 19. Jahrhunderts erschien der Realismus in programmatischer Opposition zur Romantik. Welche Art von Wirklichkeit kannst Du heute in diesem geschichtlichen Impuls des Realismus erkennen?

DV: Ich sehe keine heroische Figur- der Künstler von seiner eigenen subjektiven Wahrheit besessen, der die Welt herausfordert und der dazu bereit ist über jegliche Grenzen hinaus zuschreiten auf eine sehr selbstzerstörerische Art. Ich denke, das heute vorherrschende Model eines Künstlers ist das eines geschlechtslosen hoch effizienten Managers, der nicht einfach nur selbstausbeuterisch, sondern eher direkt ausbeuterisch ist, in der Tradition der Warhol Factory, sich stützend auf die Ausbeutung eines sozialen und produktiven Netzwerkes. Und derartige Aktivitäten und Ästhetiken sind für mich vergleichbar mit einer eher dekadenten und perversen Verwirklichung der konstruktivistischen Utopie der Auflösung der Kunst im Leben. Aber heutzutage ist eine Ausbreitung der Kunstgewerbe-Entertainment-Industrie wahrzunehmen, die das Verlangen nach Veränderung erfüllt, das der Welt von einer neuen „revolutionären Bourgeoisie“ – oder kreativen Klasse – abverlangt wird. Wie könnte es in Bezug auf diese Situation Sinn machen von Realismus zu sprechen? Oder, ich würde vorschlagen zu wiederholen und die von Brecht gestellte Frage reformulieren, der sagte, dass die Berauschtheit allgegenwärtig ist, aber wie können wir diesen Rauschzustand mit etwas anderem ersetzen?

RWG: Was meinst Du mit „anderem“?

Ich denke, dass die Forderung nach einer neuen Bourgeoisie als revolutionäre Klasse nichtig aber temporär brauchbar ist. Im Moment können wir festhalten – wer verändert die Welt? Natürlich Bush und Putin & Co und Stararchitekten und Museumsdirektoren und Generalkoordinatoren von Biennalen und Kunstfestivals. Sie verändern auf breiter Ebene die Wahrnehmung der Menschen unserer materiellen Welt. Ihre Taten sind grandios. Aber sollten wir uns dem ergeben und in dieser Situation ‚vernünftig resignieren’? Bleibt irgendeine Hoffnung?

Für mich heißt ein Realist zu sein, dass wir überprüfen sollten, ob historische Realität veränderbar ist und dass die Suche nach einem wahren Gegenstand der Geschichte weitergeht. Die Unterdrückten sind keine Fiktion sondern real und sie produzieren sehr wichtiges Wissen und Ästhetiken, die von den Mächtigen entführt und “poliert“ werden können. Aber es bleibt gewissermaßen ein „unlösbarer Rest“, der nicht vom Kapital verdaut werden kann. Somit schreitet selbst in einer tief reaktionären Zeit der Prozess der Emanzipation voran, egal wie randständig er jetzt auch ist. Und wir besonders Künstler und Intellektuelle haben die Kapazitäten und die Kraft eine brauchbare Alternative zum Kapitalismus zu entwickeln und das nicht nur als utopischen Horizont, sondern für einen Kampf im Jetzt. In der Kunst und der Kultur ist die Schlacht noch nicht geschlagen. Ich kann starke Aktivitäten sehen, die das bestätigen. Es ist ein Kampf um Werte und er ist von historischer Bedeutung. Und es ist etwas, das ich realistische Aktivität nennen würde und das die „berauschten Spekulationen“ der herrschenden Klasse herausfordern muss.

RWG: 2004 initiierte Chto Delat? das Ausstellungsprojekt “Drift. Narvskaya Zastava”. Dem zugrunde lag eine künstlerische Recherche im sozialen Alltag eines bestimmten Wohngebietes von Petersburg, das eine maßgebliche Rolle in der Geschichte der Russischen Revolution spielte. Wie wichtig sind Methoden soziologischer Untersuchungen für dieses Projekt und für dein Verständnis von Realismus im Allgemeinen?

DV: Kunst wie wir sie kennen, als irgendeine andere Form von Wissen, wird ständig verändert. Und neue Typen von Kunstpraktiken tauchen selbst nach dem „Ende der Geschichte“ auf. Diese neuen Forderungen, was Kunst sein muss, befinden sich immer noch im Entstehungsprozess. Wir müssen verstehen, wie die neuen Möglichkeiten des Kunstmachens mit den Veränderungen, die sich im Socium ereignen, in Verbindung stehen und wie Kunst von diesen Veränderungen abhängt. Wir müssen das vorsichtig studieren, den Prozess der politischen und sozialen Entwicklung analysieren und wie wir als Individuen (oder Mitglieder verschiedener Kollektive) dadurch bestimmt und geformt werden. Wie könnten wir das machen? Wir machen das durch einen Prozess der Erforschung. Deshalb: keine Kunst ohne Recherche. Und Soziologie ist ein wichtiges Werkzeug um Realität zu fassen.

Der Ausgangspunkt des Kunstmachens ist für mich die Frage: was passiert in der Wirklichkeit – außerhalb von mir? Aber das Material, das du durch die Untersuchung bekommst, solltest du erst durch dich hindurch gehen lassen, es sollte dich tief berühren, emotional und intellektuell. Dann kannst du selbst anfangen etwas zu machen.

Aber jetzt sehe ich immer öfter Kunstprojekte, die wie kultivierte interdisziplinäre soziologische Befunde aussehen. Es ist O.K., wenn das passiert aber warum sollten wir das Kunst nennen? Künstler verlieren den emotionalen Kontakt zur Wirklichkeit und das macht Kunst im politischen und ästhetischem Sinne ineffizient. Genauer gesagt, Realismus hat für mich auch eine sehr emotionale Bedeutung.

RWG: Mit einem der jüngsten Projekte von Chto Delat? „Activist Club“ bezieht Ihr euch auf Alexandr Rodschenkos Konzept des „Workers Club“. Wie glaubst Du ist es möglich historische Experimente, die aus einer revolutionären Situation heraus entstanden sind, mit welcher auch Rodschenko in Russland konfrontiert war, in die heutigen Verhältnisse zu übersetzen, die alles andere als revolutionär sind?

DV: Wie ich sagte, ich habe unsere Zeit betreffend keine Illusion – es ist eine tief reaktionäre Periode, und dass macht mich sehr traurig. Ja, Rodschenkos „Worker Club“ ist ohne die ganze nachrevolutionäre Situation in Russland nicht vorstellbar – das ist tief verwurzelt im Kontext der Zeit. Deswegen ist die Idee des „Workers Club“ heute absolut unbrauchbar. Aber was versuche ich mit meiner Arbeit „Activist Club“ zu übertragen? Und was haucht ihr Leben ein? Zuerst die Transformation von Freizeit der privilegierten Kunstkonsumenten in eine Zeit des Lernens der Unterdrückten. Und so bin ich sehr begeistert von der Situation , die sich zur Zeit in verschiedenen sozialen Zentren Europas entwickelt, wo Aktivisten ihre eigenen Einrichtungen für Aktivitäten des selbstorganisierten Lernens in Kinos, durch Lese- und Diskussionsrunden aufbauen. Aber ich bin oft enttäuscht von den kitschigen Vorstellungen von Produktionsräumen, wie sie in der Regel in sozialen Zentren, besetzten Häusern und Protestcamps realisiert werden. Ich persönlich fühle mich sehr gut an diesen Orten und natürlich würde ich sie den hippen Lounges, die die Kreative Klasse mit ihrem widerlich behaglichem Hedonismus so sehr liebt, vorziehen. Also denke ich, Räume sollten anders organisiert werden. Und mit dieser speziellen Installation des „Activist Club“, die in einer Kunstinstitution realisiert wurde, versuche ich zu demonstrieren, wie das aussehen könnte. Tatsächlich folgte Rodschenkos Arbeit teilweise der gleichen Logik. In der UdSSR wurde kein einzier Arbeiter Club nach seinem Model produziert, welches nur ein einziges Mal in Paris ausgestellt wurde. Außerdem, würde ich sagen, ist es für mich eine bedeutsame Verschiebung vom „Arbeiter zum Aktivisten“. Historisch gesehen hat der Arbeiter eine politische Position markiert, aber jetzt zweifle ich daran. Heute bildet sich politische Subjektivität außerhalb und innerhalb der Arbeitsverhältnisse und die Position des politischen Subjekts kann nur durch ihre aktive Haltung bestimmt werden…

RWG: In welcher Beziehung steht Euer Konzept des „temporary artistic soviet“ zu Deiner Idee von Realismus?

DV: Wie ich sagte, neue Praktiken und Methoden des Realismus beruhen sehr stark auf Recherchen und diese Untersuchungen sind ein kollektiver Prozess. Um eine militante, aktivistische, partizipatorische oder wie auch immer Untersuchung organisieren und durchführen zu können, braucht man eine Organisation, die das auf ordentliche und verantwortliche Weise übernehmen kann. Und mein Konzept des Art Soviet dreht sich darum ein politisches, selbstorganisiertes Organ für die Aufgabe der Untersuchung und für die Verkörperung dieses Prozesses in der Kunstpraxis zu finden.

Ich denke, dass Sowjets, als ein Typ politischer Organisation gesehen, immer noch das am meisten herausfordernde Modell sind, weil sie zwei gegenüberstehende Typen der Macht kombinieren – konstituierte (Macht über die Möglichkeiten das Leben zu verwaltende) und konstituierende Macht – die Potentialität in Aktion, die es permanent möglich macht neue Formen des politischen Lebens zu erfinden. Ich will nicht zu viel über die Möglichkeiten der Krisensteuerung spekulieren, aber ich denke, dass es bei dieser Idee des Art Soviet darum geht zu demonstrieren, dass radikal andere Formen der Organisation der kulturellen Produktion und ihre Ausbreitung vom bürokratisch korporativen Modell aus möglich sind. Und solche Formen könnten einen Zusammenstoß der Mächte organisieren, so wie es einmal während der Russischen Revolution passierte, als die Staatsmacht nichts machen konnte ohne mit den lokalen Sowjets zu verhandeln. Aber wir sollten andersherum ebenso einräumen, dass Sowjets auch viele ihrer Aktionen mit der reellen Staatsmacht und deren Institutionen verhandeln, und das ist genau die Situation, in der Politik beginnt.

Der Sowjet als politische Institution befindet sich im Zustand permanenter Mobilmachung. Ich denke, es kann nur durch temporäre Neuordnung seiner Mitglieder und deren Handlungen geschehen. Ich meine, dass wir – Künstler und kulturelle Produzenten – zuerst bestimmen müssen was zu tun ist und wie es möglich ist außerhalb des Netzwerkes der Institutionen zu arbeiten. Aber dennoch müssen wir auf die eine oder andere Weise, um unserer Ideen realisieren zu können, mit einer Institution der Macht umgehen. Gleichzeitig müssen wir versuchen unsere eigenen Regeln der Kommunikation und Kontrolle zu etablieren. Und ich denke, auf einem solchen minimalen Level sind die Dinge möglich.

Wie ist Chto Delat? als Gruppe strukturiert? Eure Arbeit besteht aus Projekten kollektiver und individueller Autorschaften. Wie verhandelt Ihr die Unterscheidung dieser beiden Ebenen in der Gruppe?

Nach fünf Jahren haben wir eine Art formelles Verfahren entwickelt. Da gibt es eine Chto Delat?-Arbeitsgruppe, eine Art Mikrokommune von Freunden, die eine im Allgemeinen sozialistische Position teilen. Auch ist es wichtig, dass wir unseren professionellen Möglichkeiten Dinge in verantwortlicher Weise zu tun vertrauen. Ich meine, es mag sein, dass ich bestimmten Aussagen einiger anderer Mitglieder nicht zustimme, aber ich weiß, dass es da immer eine eigene Qualität des Denkens und der Artikulation gibt. Mit den anderen ist es genauso. Somit muss in unserer Gruppe jegliche Aktivität, die im Namen Chto Delat?s realisiert wird, kollektiv von drei Leuten aus der Gruppe gemacht werden, solange keine drei anderen ihr Veto einlegen. Und wir geben immer die Namen derer an, die das Projekt gemacht haben.

Später führten wir eine geschlossene Mailingliste für alle Sympathisanten ein. Es sind ungefähr 150 Leute, die an den Diskussionen, Informationen, Texten, dem Austausch und an was auch immer teilhaben. Das garantiert eine hohe Transparenz in Bezug auf jegliche Aktivitäten einer Gruppe und überprüft, ob das gerade Sinn macht oder nicht. Die Liste ist geschlossen, weil wir nicht an unendliche Offenheit glauben (so wie 16Beaver oder andere anarchistisch orientiertere Netze) und für eine produktives Arbeiten ist es sinnvoll mit Leuten zu sprechen, die grundlegend darüber übereinstimmen, was wichtig ist und was nicht; und wer ein Verfahren entwickelt, das nicht auf Konsens beruht. Der Grund eine Plattform einzurichten war aber auch jene mehr als klaustophobischen Kollisionen zu vermeiden, die unter Freunden mehr als oft passieren…also war es nötig die Gruppe für eine weiter gefasste aber strukturierte Gemeinschaft zu öffnen. Somit kann jeder aus dem Kern der Gruppe was auch immer mit zwei anderen Leuten der Plattform machen, solange nicht drei andere Mitglieder der Gruppe ihr Veto einlegen.

So ist es gedacht, aber natürlich gibt es Abweichungen – wir sind nicht so besessen von Verfahrensweisen…In solchen Gemeinschaften ist, denke ich, Vertrauen das Wichtigste – das kannst du nicht durch ein Verfahren ersetzen – dann hätte man eine echte Institution, die wir nicht wollen. Und natürlich gibt es ein Risiko des Missbrauchs und der Instrumentalisierung der ganzen Aktion durch die am meisten aktiven Mitglieder wie mich.

Die komplizierteste Sache ist, wenn etwas von einer Person realisiert wird, aber dann von der kollektiven Arbeit einverleibt wird – wie im Fall des Activist Club, oder wie innerhalb einzelner Kunstwerke wie dem Drift Projekt, aber ich denke, dass so die allgemein kollektive Aktivität einen geeigneten Kontext für den individuellen Ausdruck bietet.

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