– Vorwort

· Realismus! Online Magazine – Inhaltsverzeichnis

Realismus!

englische Version

Ausgangspunkt dieses Online-Magazins der Realism Working Group // Free Class Frankfurt/M ist die Frage nach der Aktualität des Realismus. Genauer geht es um die Suche nach kollaborativen Strategien eines Realismus, der nicht auf das Kopieren von Realität abzielt sondern dessen Veränderlichkeit in den Vordergrund stellt.

Da kollektiven Kunstpraktiken kein kritischer Selbstzweck zukommt und sie sich zudem derzeit verstärkt institutioneller Beliebtheit erfreuen (vgl. Michael Eddy: „Präsenz und Absenz im Gedränge“), verdient hier also der Begriff ‚Realismus’ das Ausrufezeichen. Claire Fontaine macht in ihrem Interview für diese Zeitung deutlich, dass es „nicht einfach“ ist, diesen Begriff heute zu benutzen und merkt an, dass die Idee „einer historischen Fiktion […] vielleicht die einzige Form ist, die der Realismus heute annehmen kann“ (vgl. Interview mit Claire Fontaine: „Historische Fiktion als Realismus“). In bestimmten kritischen Filmdiskursen, welche sich der Frage der Repräsentation von Minderheiten widmen, taucht Realismus gar als unterdrückendes Motiv auf. Kritisiert wird dabei ein Realismus der vorgibt neutral und nüchtern die Dinge zu zeigen wie sie sind, ohne dabei die eigenen Mittel und Perspektiven zu reflektieren. Diese Position legt einen reflexiven Umgang mit Repräsentation nahe damit Realismus nicht zu einer weiteren Form objektivistischer Repression wird (vgl. Martin Krchner: “Das Unbehagen im Realismus”).

Zugleich definieren verschiedene historische Debatten um künstlerischen Realismus diesen in Opposition zu idealistischen und naturalistischen Ansätzen, wie denen des ‚objektiven’ Dokumentarismus (vgl. Martin Kirner, Siw Umsonst, Jeronimo Voss: „Realismus Organisieren“). Dmitry Vilensky von der Arbeitsgruppe ‚Chto delat?’/‚Was tun?’ macht deutlich: „das Auftauchen neuer dokumentarischer Mittel des Ausdrucks“ gibt uns „keinen Aufschluss darüber […], worum es beim Realismus geht“ (vgl. Interview mit ‚Chto delat?’: „Die Wahrheit der Wirklichkeit“). Der Text „Monochrome Wirklichkeiten“ von Flo Maak zeigt im Kontext der westlichen AIDS-Krise der 1990er Jahre, wie relevant der Kampf um die Wirklichkeit für Kunstproduzent_innen wurde als das eigene Sterben unsichtbar und irreal zu werden drohte.

Realität wird produziert; und in den gegenwärtigen Verhältnissen, so könnte man argumentieren, wird sie produziert von der Polizei, bzw. von einer polizeilichen „Ordnung des Sichtbaren und Sagbaren“ die ihren stärksten Gegner in der Politik findet (vgl. Lars Schmid und Jeronimo Voss: “All Cops are DJs – Polizeiliches Zartgefühl im Ausnahmezustand”). Aus künstlerischer Perspektive wird daher die Frage lauten: Welche aktualisierte Form des Realismus gilt es der gewaltsamen Ordnung der Gegenwart entgegenzuhalten (vgl. Johannes Raether und Kerstin Stakemeier: “Die Art of Falling Apart – über den Realismus der Romantik”), wie also, mit den begrenzten Mitteln der Kunst, der Naturalisierung dieser Verhältnisse entgegentreten?

Realism Working Group // Free Class Frankfurt

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